Mittwoch, 21. Juni 2017

kantonale verfassungsinitiative zur behindertengleichstellung (von gastblogger 'der Biologe')


Das behindertenforum der region basel hat eine initiative lanciert, welche die behindertengleichstellung in der verfassung von bl und bs verankern soll. Sie können die initiative hier lesen. Auf bundesebene gibt es bereits ein gesetz (behindertengleichstellungsgesetz = BehiG). Das regelt aber nicht die dinge, für die die kantone zuständig sind. Dafür braucht es eben kantonale gesetze.

Ich finde ja, das sollte automatisch von den kantonen übernommen werden. Sonst dauert das viel zu lange oder passiert überhaupt nicht. Kann doch nicht vom wohnort abhängen, ob zum beispiel behinderte kinder integrativ geschult werden oder nicht.

Aber hoppla, im moment ist es so. das behindertenforum leistet hier gute arbeit. Schade nur, dass keine idioten wie wir vertreten sind darin bisher. Aber kommt ja vielleicht noch, so von wegen gleichstellung.

Mittwoch, 14. Juni 2017

'Üse Buurehof'



Redaktionsassistenz: Mich interessiert, wie ihr über diese Doku ‘Üse Buurehof’ denkt, die diesen Sommer läuft auf SRF. Im Blick-Artikel sfanden es ja alle Befragten von den Behinderten-Organisationen grundsätzlich positiv. Wie seht ihr das?

Querdenker: ich finde, es ist nicht so einfach. Es ist nicht nur positiv oder negativ.

El Hombre: ich denke, die absicht des fernsehsenders ist schon gut. Behinderte menschen sollten ganz normal im fernsehen vorkommen.

Querdenker: die frage ist, ob das in dieser sendung der fall sein wird und kann. Was ich gelesen habe im blick-artikel und auf der homepage von srf lässt mich fürchten, dass wieder einmal das stereotype bild bedient wird von kognitiv beeinträchtigten menschen, das vom fernsehen her schon bekannt ist: geistig behindert, meist mit trisomie, sehr emotional, etwas kindlich, anstrengend aber liebenswert. Nur zur praktischen arbeit fähig. Erklärungen kommen von den verständnisvollen betreuern, mit denen über wertschätzung bereichernd diskutiert wird.

El Hombre: du malst ein ziemlich negatives bild. Wenigstens kommen so kognitiv beeinträchtigte wie wir überhaupt mal halbwegs positiv in den medien vor: am arbeiten, nicht nur als problem und kostenfaktor.

Querdenker: nein wir kommen eben genau nicht vor. Das ist das problem. Es wird ein bestimmter typ ‘kognitiv behinderter’ präsentiert: physisch fit und intellektuell eingeschränkt, dafür mit emotionaler intelligenz. Das stimmt noch nicht einmal für unsere trisomie-freunde, die ja immer als template hinhalten müssen. Und ich fühle mich mit meiner variante von kognitiv beeinträchtigt überhaupt nicht repräsentiert. Du etwa?

El Hombre: nein das nicht. Aber das kommt vielleicht noch. Vielleicht ist das einfach mal ein erster sanfter einstieg, um die normalen abzuholen.

Querdenker: es ist aber schon die dritte staffel. Das ist kein einstieg, das ist mehr vom selben. Und was nützt mir sanft, wenn das bild falsch ist.

El Hombre: die downies ziehen eben. Wäre dir keine repräsentation lieber?

Sokrates: ich meine ihr habt beide irgendwie recht. Und seien wir ehrlich. Wir sind nicht sehr telegen: nicht lustig, nicht umarmig, nicht schön, nicht rainman. Wir tanzen nicht, singen nicht, reden nicht.

Mittwoch, 7. Juni 2017

Handbuch: wie helfen?



Es ist unbestritten, dass wir im alltag hilfe brauchen. Aber was hilft wirklich?

Wir können natürlich viele kleine und grosse dinge aufzählen, die bei dieser oder jener schwierigkeit helfen. Das werden wir sicher in diesem handbuch auch noch tun, wenn es um bestimmte schwierigkeiten geht: orientierung, reizüberflutung, zwänge, kommunikation, handlung. Jetzt soll es aber zuerst um das wichtigste und grundsätzlichste gehen. Fehlt das, ist alles andere für die katz. Die richtige haltung der helfer.

Ja, es gibt eine richtige haltung. Und es gibt deshalb auch falsche, hinderliche und schädliche. Wir beschreiben die richtige, die sich im laufe unserer erfahrungen mit betreuern aber auch mit eltern, geschwistern und allenfalls freunden herauskristallisiert hat. 
 
  • Es ist eine fülle von verhaltensweisen, die immer uns als fähige lerner und leber ansprechen, ohne unsere schwierigkeiten in der umsetzung zu ignorieren.
  • Eine haltung, die das eine vom anderen in handlung und ansprache klar trennt.
  • Eine haltung, die zutraut und sich was traut, egal was andere sagen.
  • Helfer müssen denken können und zwar selbständig und auch mal in neuen bahnen.
  • Sie müssen uns klar und sicher entgegentreten, ohne herablassend zu sein und zu meinen, sie wüssten besser was wir brauchen als wir selbst.
  • Gut beobachten, ohne sofort zu interpretieren.
  • Offen bleiben, ohne wischiwaschi zu sein.
  • Struktur und halt geben, ohne einzuschränken.
  • Die eigenen gefühle bei sich behalten, wenn es schwierig wird. Uns fliegen schon unsere um die ohren. 

Es gibt noch viel dazu zu sagen. Aber das reicht erstmal zum Nachdenken.